°°° Was Sie wissen müssen °°°

  • Bei dem iranischen Vergeltungsangriff auf US-Truppen im Irak gibt es keine Opfer.
  • US-Präsident Donald Trump kündigt weitere Sanktionen gegen Iran an, will aber nicht mit militärischen Mitteln antworten.
  • Die US-Demokraten im Abgeordnetenhaus wollen ein mögliches militärisches Vorgehen gegen Iran begrenzen.
  • Die Bundesregierung prüft einen Teilrückzug der im nordirakischen Erbil stationierten Soldaten.
  • Als Ursache für das nahe Teheran abgestürzte ukrainische Passagierflugzeug mit 176 Toten geht Iran von einem technischen Defekt aus.
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Liebe Leserinnen und Leser, die Racheaktion in der Nacht zum Mittwoch kam mit Vorwarnung. Vor allem deshalb dürften bei dem iranischen Vergeltungsangriff auf US-Stützpunkte im Irak keine Menschen getötet worden sein. Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei sprach denn auch nur von einer "Ohrfeige" für die Amerikaner - eine recht defensive Wortwahl angesichts der martialischen Töne in den Tagen zuvor. Und auch US-Präsident Donald Trump reagierte vergleichsweise zurückhaltend. Zwar kündigte er weitere Wirtschaftssanktionen an, aber keine unmittelbaren militärischen Schritte. Wir beenden den Liveblog an dieser Stelle und danken für Ihr Interesse!

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Derweil erwartet der französische Nahost-Experte Gilles Kepel einen Rückzug der Amerikaner aus Teilen des Iraks. Wahrscheinlich würden die US-Truppen sich in die Kurdengebiete zurückziehen, wo sich die westliche Infrastruktur befinde, sagt der Pariser Sozialwissenschaftler im DeutschlandfunkAnders als die irakischen Schiiten seien die Kurden gegen einen Abzug oder Rauswurf der Amerikaner und die (arabischen) Sunniten seien in der Frage gespalten. Während sunnitische Dschihadisten die USA als Feinde betrachteten, seien die meisten Sunniten bei Konflikten im Irak doch von Schiiten getötet worden. "In gewisser Weise sorgen die Amerikaner im Irak für ein Gleichgewicht."

Kepel wertet Trumps Befehl zur Tötung Soleimanis als Schachzug auch im US-Wahlkampf. Der Angriff auf die Botschaft in Bagdad rufe die Erinnerung an die Erstürmung der US-Botschaft in Teheran 1979 wach. Der Vorfall damals habe den US-Präsidenten Jimmy Carter die Wiederwahl gekostet. "Für Trump geht es nur um seine Wiederwahl", sagt Kepel. Er "möchte nicht 'carterisiert' werden".
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Die USA erneuern unterdessen das Gesprächsangebot an Teheran. "Wir sind bereit für ernsthafte Verhandlungen mit dem Iran ohne Vorbedingungen", schreibt die amerikanische UN-Botschafterin Kelly Craft in einem Brief an den UN-Sicherheitsrat. Das Schreiben ist datiert auf Mittwoch und liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Ziel möglicher Verhandlungen müsse es sein, eine weitere Gefährdung des internationalen Friedens und der Sicherheit zu verhindern sowie eine weitere Eskalation durch den Iran zu verhindern.
UN-Botschafterin Kelly Craft. Foto: Michael Brochstein/ZUMA Wire/dpa
UN-Botschafterin Kelly Craft. Foto: Michael Brochstein/ZUMA Wire/dpa  
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Angesichts der Krise im Nahen Osten fahren Tanker des brasilianischen Ölkonzerns Petrobras derzeit nicht durch die Straße von Hormus zwischen dem Iran und der arabischen Halbinsel. "Das Unternehmen hat die derzeitige Lage ausgewertet und gemeinsam mit der brasilianischen Marine entschieden, im Moment den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus zu vermeiden", teilt der halbstaatliche Energiekonzern mit. Dies habe allerdings keine Auswirkung auf die Kraftstoffversorgung in Brasilien.

Berichten zufolge setzte auch die saudische Schiffsgesellschaft Bahri ihre Fahrten durch die Straße von Hormus aus. Grund sei der iranische Raketenangriff auf amerikanisch genutzte Militärstützpunkte im Irak, berichtet die "Financial Times" unter Berufung auf Insider. Das Unternehmen äußerte sich auf Nachfrage zunächst nicht. 
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Im Fall der abgestürzten Passagiermaschine heißt es in einem heute veröffentlichten vorläufigen Bericht der iranischen Luftfahrtbehörde, die Maschine habe versucht, zurück zum Flughafen zu fliegen. Augenzeugen hätten berichtet, die Maschine habe gebrannt. Als sie am Boden aufschlug, sei sie explodiert - wohl weil das Flugzeug große Mengen Kerosin getankt hatte. Die Experten erhoffen sich mehr Informationen durch die Auswertung der beiden Blackboxen mit den Flugdaten. Die Boxen enthalten die Flugdatenschreiber und einen Stimmenrekorder mit Aufnahmen der Gespräche im Cockpit. Diese sollten nach gründlichen Untersuchungen an die Ukraine übergeben werden, kündigt die Luftfahrtbehörde an. Die Geräte seien aber beschädigt worden. Kurz vor dem Absturz habe auch kein Funkkontakt mehr zu den Piloten bestanden. 

Kiew zieht momentan vier Versionen in Betracht: Alexej Danilow vom ukrainischen Sicherheitsrat schreibt auf Facebook, es sei möglich, dass die Maschine von einer Rakete des russischen Typs"Tor" getroffen worden sei. Deshalb seien Experten an der Untersuchung beteiligt, die bereits 2014 beim Abschuss des malaysischen Fluges MH17 durch eine Flugabwehrrakete über der Ostukraine ermittelt hätten. Geprüft werden auch ein Zusammenstoß mit einem Flugobjekt wie etwa einer Drohne, ein Triebwerksschaden und ein Terroranschlag.
Foto: Aref Fathi/dpa
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Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA wird nach Angaben des iranischen Präsidenten Hassan Ruhani auch weiterhin die Atomanlagen Irans überwachen. "Teheran wird weiterhin mit der IAEA zusammenarbeiten und die UN-Behörde wird auch weiterhin die iranischen Atomanlagen überwachen", sagt Ruhani nach einer Mitteilung des Präsidialamts in einem Telefongespräch mit dem britischen Premierminister Boris Johnson. Auch sei der Iran bereit, voll und ganz zum Wiener Atomabkommen von 2015 zurückkehren, sobald der Deal vertragsgerecht umgesetzt werde, sagt Ruhani mit Blick die USA, die den Deal 2018 einseitig aufgekündigt hatten. 

Den Angriff auf die von den Amerikanern genutzten Stützpunkte im Irak bezeichnet Ruhani als eine legitime Reaktion des Irans auf die Tötung von Soleimani. "Falls die Amerikaner einen weiteren Fehler begehen sollte, werden sie eine sehr gefährliche Antwort des Irans erhalten", warnt der Präsident. Soleimani nannte er ein Vorbild im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat. 
Foto: Iranian Presidency/dpa
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Papst Franziskus ruft den Iran und die USA auf, eine weitere Eskalation der Gewalt im Nahen Osten zu vermeiden. "Besorgniserregend sind vor allem die Signale, die infolge der wachsenden Spannung zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten aus der ganzen Region kommen und vor allem den langsamen Prozess des Wiederaufbaus des Irak gefährden", sagt das Katholiken-Oberhaupt bei einer Ansprache vor Diplomaten im Vatikan. Daraus könnte "sogar die Basis eines umfangreichen Konflikts entstehen, den wir alle verhindern möchten".
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Die EU stellt sich gegen den Aufruf von US-Präsident Donald Trump, das Atomabkommen mit dem Iran aufzugeben. Das Abkommen sei eine wichtige Errungenschaft gewesen und bleibe ein wichtiges Werkzeug für die Stabilität in der Region, teilt der Sprecher von EU-Ratschef Charles Michel nach einem Telefonat zwischen Michel und dem iranischen Präsidenten Hassan Ruhani mit. Michel habe Ruhani dazu aufgerufen, unwiderrufbare Handlungen zu unterlassen. 

Michel brachte seine Hoffnung auf eine Deeskalation im Nahen Osten zum Ausdruck. Ruhani habe gesagt, dass die EU schon immer eine wichtige Rolle bei der Stabilisierung der Region gespielt habe und der Iran bereit sei, die enge Zusammenarbeit fortzusetzen. 
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Auch in Kanada wird der Opfer des Flugzeugabsturzes im Iran gedacht. In Edmonton ist die Hochbrücke in Rot und Weiß erleuchtet. An Bord der ukrainischen Maschine hatten sich auch 63 Kanadier befunden.
Foto: Codie Mclachlan/The Canadian Press/dpa
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Für den Fall, ihre Bürger wegen des Konflikts mit dem Iran aus dem Nahen Osten ausfliegen zu müssen, haben die USA mehrere Transporthubschrauber und Flugzeuge nach Zypern verlegt. Wie die konservative Athener Zeitung "Kathimerini"  berichtet, seien gestern acht US-Hubschrauber vom Typ "Chinook" und "Black Hawk" vom griechischen Militärflughafen bei Eleusis nahe Athen nach Zypern geflogen. Sie machten einen Zwischenstopp auf der Touristeninsel Rhodos. Auch C-130-Transporflugzeuge seien vom US-Stützpunkt Souda (Kreta) nach Zypern abgeflogen.

Bereits gestern hatte die Regierung Zyperns mitgeteilt, dass die USA einen Antrag zur Stationierung von Truppen auf der Mittelmeerinsel gestellt hatten.
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Unterdessen nimmt die Lufthansa heute nach eintägiger Unterbrechung  ihre Flüge in die iranische Hauptstadt Teheran wieder auf. Die Maschine werde Frankfurt am Nachmittag zwar voraussichtlich mit vierstündiger Verspätung verlassen, stehe aber im Flugplan (LH 600), sagt ein Sprecher der Fluggesellschaft auf Nachfrage. "Die Verbindung soll von heute an wieder täglich angeboten werden."

Teheran wird über einen gesonderten Korridor angeflogen, den Deutschlands größte Fluggesellschaft ungeachtet der aktuellen Spannungen in der Region für sicher erachtet. Den übrigen Luftraum über Iran und dem Nachbarland Irak wird die Lufthansa bis auf Weiteres weiterhin meiden. Flüge in Richtung Indien müssen daher nach Angaben des Sprechers einen Umweg von wenigen Minuten machen.
Illustration: Arne Dedert/dpa
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Derweil wird in Kiew der Opfer der nahe Teheran abgestürzten Passagiermaschine gedacht. Am Flughafen Borispil entzündet eine Mitarbeiterin der Fluggesellschaft Ukraine International Airlines (UIA) eine Kerze an einer Gedenkstätte für die Besatzungsmitglieder des ukrainischen Flugzeugs.
Foto: Ukrinform/dpa
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Die gemäßigten Worte von US-Präsident Donald Trump geben  dem Dax am Morgen weiteren Rückenwind. Der deutsche Leitindex stieg in den Anfangsminuten erstmals seit Januar 2018, als er sein bisheriges Rekordhoch bei knapp 13 600 Zählern erreicht hatte, wieder über die Marke von 13.500 Punkten. Wenig später gewann er 1,3 Prozent auf 13 496,36 Punkte.
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Und der britische "Guardian" schreibt in ihrer heutigen Ausgabe zum Konflikt zwischen den USA und Iran:

Erleichterung über Irans zwar erhebliche, aber zugleich fein kalibrierte Rache für die Tötung Soleimanis ist ein verständliches und nachvollziehbares Gefühl. Die Lage könnte viel schlimmer sein als heute. Aber es gibt keinen Grund für Selbstgefälligkeit: Die Gefahren sind nur kurzzeitig ausgesetzt, aber nicht gänzlich abgewendet worden.

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Erneut ein Blick in die Presse im Ausland: Zur Reaktion von US-Präsident Donald Trump auf den iranischen Vergeltungsangriff schreibt die französische Regionalzeitung "L'Alsace":

Weit entfernt vom Kriegstreiber, der er vor drei Tagen noch war, hat Donald Trump ausnahmsweise mal nicht hastig reagiert. Er schien sogar in seiner Rede an die Nation die Situation zu beruhigen, indem er weniger Druck auf den Iran ausübte als auf die Nato und die Länder, die versuchten, den iranischen Atomdeal zu retten. Es ist ein gewagtes Manöver, denn schließlich hat sich der amerikanische Präsident als Friedensmacher dargestellt, nachdem er eine Granate in ein Pulverfass geworfen hat. Es ist nicht überraschend: Donald Trump wagt alles. Einschließlich sich selbst zu widersprechen.

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